Haiti
Die Geschichte Haitis – Fesseln für die Zukunft
Haiti gilt heute als eines der ärmsten Länder der Karibik. Das war nicht immer so. Tatsächlich zeigt die Geschichte Haitis, wie es zum heutigen Zustand kommen konnte. Bevor die spanischen Eroberer die Insel besetzten und die indianischen Ureinwohner ausrotteten, hatte die Insel eine der höchst entwickelten Kulturen der Karibik. Die Insel war reich an natürlichen Ressourcen. Zwischen den Kolonialmächten entbrannte darum ein Streit um die begehrte Insel Hispaniola. Es folgten Jahrhunderte der Ausplünderung und Kriege. Die Menschen in Haiti sind Nachfahren der afrikanischen Sklaven, die im 16. Jahrhundert dorthin verschleppt wurden (ca. 30'000), um auf den Zuckerrohrplantagen zu arbeiteten. Haiti erkämpfte sich 1804 die Freiheit. Es ist das einzige Land, das von den Sklaven selbst befreit wurde. Der Grundstein für das haitianische Selbstverständnis war gelegt. Die Unabhängigkeit wurde aber teuer bezahlt: als Entschädigung zahlte Haiti 150 Mio. Franc (80% des Staatshaushaltes; umgerechnet 16 Mia. Euro) an Frankreich. Bis 1947 lähmte diese enorme Schuldenlast die haitianische Wirtschaft und Entwicklung und bot Raum für korrupte Eliten. Von 1957 bis 1986 herrschte der despotische Clan der Duvaliers mit „Papa Doc“ und seinem Sohn „Baby Doc“ und den berüchtigten „Tontons Macoutes“. Sie ruinierten das Land. Putsche, Wahlbetrug und korrupte Politiker machten alle Versuche, Ruhe und Sicherheit ins Land zu bringen zunichte. Wenige Familien teilten sich den Reichtum und die Entwicklungsgelder. Portiert von den USA gewann Bertrand Aristide 1990 die Wahlen. Kaum ein Jahr später wurde er durch einen Putsch der Armee wieder abgesetzt. Die Bevölkerung litt unter der Misswirtschaft und dem Terror. Die Korruption ist allgegenwärtig. 1994 intervenierte die USA erneut und setzte Aristide wieder ein. Schwere Unruhen führten Haiti an den Rand des Bürgerkrieges. Aristide verliess das Land. Seit 2004 versuchen die Blauhelme (UNO-Mission), das Land zu stabilisieren. 2006 wurde der Präsident Préval gewählt, der zur Zeit des Erdbebens noch an der Macht war.
Das Jahrhundertbeben und die Hilfe
Das Erdbeben vom 12. Januar ereignete sich um 16.53 Ortszeit. Das Epizentrum lag ca. 25 km von Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis. Die Stärke war mit 7.0 auf der Richterskala das verheerendste Beben der Neuzeit. Nach Schätzungen sind mindestens 300'000 Menschen ums Leben gekommen, mindestens ebenso viele wurden verletzt und rund 1.2 Millionen sind obdachlos geworden.
Das Beben traf eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Haitis und das administrative Zentrum des Landes. Port-au-Prince zählte vor dem Beben rund 3 Millionen Einwohner. Die Stadt liegt in einer weiten Bucht und zieht sich entlang der umliegenden Hügel hoch. Ganze Quartiere sind so an prekären Lagen entstanden, meist aus Lehm zusammengebaut liegen die Hütten eng ineinander verschachtelt. Das Erdbeben hat diese Elendsviertel, die Infrastruktur und fast alle öffentlichen Gebäuden zerstört. Kurz nach dem Beben ist die internationale Hilfsmaschinerie angelaufen, dringende Nothilfe wurde geleistet und Milliarden für den Wiederaufbau gesprochen. Im allgemeinen Aktivismus ist die Koordination eine zentrale Herausforderung. Klar scheint allen: Damit der Wiederaufbau gelingt, muss der Staat gestärkt, Strassen, Spitäler und Schulen gebaut werden. Dabei darf nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden werden.
Zahlen und Fakten:
Fläche: 27'750 km2
Bevölkerung: 9.7 Mio.
Hauptstadt: Port-au-Prince/ 2.14 Mio Einwohner
Städtische Bevölkerung: 52%
Bevölkerungswachstum: 2.45% pro Jahr
Kindersterblichkeit: 120 pro 1'000 Lebendgeburten
Säuglingssterblichkeit: 84 pro 1'000 Lebendgeburten
Müttersterblichkeit: 580 pro 1'000 Geburten
Fruchtbarkeitsrate: 5 Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter
Lebenserwartung: 62 Jahre
Analphabetenrate Frauen: 49%
Analphabetenrate Männer: 45%
Religion: 96% katholisch oder protestantisch, 70% befassen sich mit Voodoo-Kulten
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