Offener Brief an den Bundesrat

Ein offener Brief fordert den Bundesrat auf, die langfristige Entwicklungszusammenarbeit nicht zu schwächen. Auch IAMANEH Schweiz unterstützt diesen Appell.

Am 7. August 2026 haben sich über 140 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kirchen und Zivilgesellschaft mit einem offenen Brief an Bundespräsident Guy Parmelin und Bundesrat Ignazio Cassis gewandt. Unter den Unterzeichnenden finden sich auch mehrere Vorstandsmitglieder von IAMANEH Schweiz.

Worum geht es?

Im Rahmen der Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2029–2032 plant der Bundesrat, die bilaterale und multilaterale Entwicklungszusammenarbeit abzubauen und die frei werdenden Mittel in die kurzfristige, humanitäre Nothilfe umzuschichten. Die Unterzeichnenden des offenen Briefes warnen: Diese Neuausrichtung ist kurzsichtig. Sie droht, den Blick von den strukturellen Ursachen von Armut, Unsicherheit und Krisen abzuwenden – anstatt diese nachhaltig zu bekämpfen.

Die langfristige Entwicklungszusammenarbeit, so die Argumentation, kann Ungleichheiten an der Wurzel angehen und echte Perspektiven vor Ort schaffen. Sie schafft damit auch einen Mehrwert für die Schweiz selbst: Wer Armut nachhaltig bekämpft und beim Aufbau demokratischer Strukturen unterstützt, macht die Welt sicherer und fördert den Frieden.

Die drei zentralen Forderungen an den Bundesrat:

  • Die humanitäre Hilfe stärken – aber nicht auf Kosten der bilateralen und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit.
  • Die internationale Zusammenarbeit konsequent auf die Bekämpfung der Ursachen von Armut und Hunger ausrichten.
  • Die internationale Zusammenarbeit als integralen Bestandteil einer umfassenden Sicherheitspolitik anerkennen – und entsprechend finanzieren.

Die Position von IAMANEH Schweiz

Als Organisation, die sich seit Jahrzehnten für die Rechte, die Gesundheit und den Schutz von Frauen und Mädchen in Westafrika und Südosteuropa einsetzt, wissen wir aus eigener Erfahrung: Nachhaltige Veränderung braucht Zeit, Vertrauen und langfristige Partnerschaften vor Ort. Kurzfristige Nothilfe kann akute Krisen lindern, ersetzt aber nicht den langfristigen Aufbau von Strukturen, die Frauen und Mädchen dauerhaft stärken – etwa im Bereich der reproduktiven Gesundheit, der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt oder des Zugangs zu Bildung.

Wir unterstützen deshalb den Appell des offenen Briefes und setzen uns gemeinsam mit den Unterzeichnenden dafür ein, dass die Schweiz ihre Rolle als verlässliche Partnerin in der langfristigen internationalen Zusammenarbeit nicht schwächt, sondern weiter ausbaut.