In Bosnien-Herzegowina ist häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt ein weit verbreitetes gesellschaftliches Problem. Erhebungen zeigen, dass fast jede zweite Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt erfährt. Kriegsfolgen, wirtschaftliche Unsicherheit, unbehandelte Traumata sowie tief verankerte patriarchale Normen begünstigen ein Umfeld, in dem Gewalt ausgeübt wird und zugleich häufig toleriert, relativiert oder unzureichend geahndet bleibt.
Viele Männer stehen unter erheblichem psychosozialem und ökonomischem Druck. Arbeitslosigkeit, finanzielle Unsicherheit und nicht verarbeitete Kriegserfahrungen treffen auf starre Erwartungen an männliche Rollenbilder. Diese Faktoren erhöhen das Risiko von Gewalt innerhalb von Familien deutlich. Gleichzeitig bestehen erhebliche Lücken in staatlichen Präventions- und Unterstützungsangeboten, insbesondere in der strukturierten Arbeit mit gewaltausübenden Männern.
Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Reduktion häuslicher Gewalt. Es kombiniert die Stärkung der psychosozialen Arbeit mit gewaltausübenden Männern und Männern mit erhöhtem Gewaltrisiko mit breit angelegten Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen auf Gemeindeebene. Durch Einzel- und Gruppentherapien übernehmen die Teilnehmer Verantwortung für ihr Handeln, entwickeln emotionale Bewältigungsstrategien und erlernen gewaltfreie Konfliktlösungen. Gleichzeitig fördern Workshops und Kampagnen die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechternormen und Gewalt.
Ein zentraler Bestandteil ist zudem der Ausbau institutioneller Zusammenarbeit. Die Kooperation zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren – darunter Polizei, Justiz, Sozial-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen sowie NGOs – wird gezielt gestärkt, um ein koordiniertes, wirksames und nachhaltiges Interventionssystem zur Bekämpfung häuslicher Gewalt zu etablieren.
Jährlich erreicht das Projekt rund 1’860 Personen in der Region Doboj. Dazu gehören etwa 300 Männer, die psychosoziale Unterstützung erhalten, rund 1’200 Männer und Jungen mit erhöhtem Gewaltrisiko, die durch Beratungs- und Präventionsangebote begleitet werden, sowie 360 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die an Sensibilisierungsaktivitäten teilnehmen.
Partnerorganisation
Buducnost
Projektlaufzeit
1.1.2024 bis 31.12.2026
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