Mali

Mali

Mali kämpft seit über einem Jahrzehnt mit politischer Instabilität, einer schwelenden Sicherheitskrise im Norden und Zentrum sowie den Folgen des Klimawandels. Das Land hat eine reiche Kulturgeschichte und bedeutende Bodenschätze, doch die Lage eines grossen Teils der Bevölkerung – insbesondere der Frauen und Mädchen – ist von grosser Verwundbarkeit geprägt.

 

2025 verschärfte sich die Krise auf mehreren Ebenen. Dschihadistische Gruppen griffen ab September systematisch Versorgungskonvois an, legten die wichtigsten Nachschubrouten in die Hauptstadt Bamako lahm und lösten damit eine schwere Treibstoffkrise aus. Politisch setzte die Übergangsregierung ihren autoritären Kurs fort — Parteien wurden aufgelöst, Oppositionelle verhaftet oder ins Exil gedrängt und ein fünfjähriges Übergangsmandat festgelegt. Im Dezember 2025 stärkte Mali seine Rolle in der Konföderation der Sahel-Staaten (AES) durch einen historischen Ministerratsgipfel mit Burkina Faso und Niger. 

Humanitäre Lage 

Die Sicherheitslage bleibt trotz intensivierter Militäroperationen angespannt. Die humanitäre Lage ist kritisch: Hilfe erreicht nur 97 der 159 Verwaltungskreise, fast eine Million Kinder haben keinen Schulzugang, und 1,2 Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. 

Klimakrise und wirtschaftliche Erschütterungen 

Die Klimakrise trifft Mali besonders hart. Wiederkehrende Dürren, Überschwemmungen des Niger und zunehmende Desertifikation beeinträchtigen Lebensgrundlagen und Ernährungssicherheit. Die Wirtschaft ist äusserst verwundbar: Die Landwirtschaft trägt über 30% zum Bruttoinlandsprodukt bei und beschäftigt einen Grossteil der erwerbstätigen Bevölkerung. Unberechenbare Regenzeiten und extreme Wetterereignisse wirken sich zunehmend negativ auf Erträge und Märkte aus.  

Frauen und Mädchen 

Die Lage von Frauen und Mädchen bleibt von struktureller Ungleichheit geprägt: 53 % der Mädchen werden vor dem 18. Lebensjahr verheiratet, 89 % der Frauen sind von weiblicher Genitalbeschneidung betroffen, und mehr als jede dritte Frau ist von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Die anhaltende Sicherheitskrise verschärft die Situation zusätzlich. 

Zugleich gibt es einen bedeutenden Fortschritt: Das neue Strafgesetzbuch, in Kraft seit Dezember 2024, stellt erstmals psychische und sexuelle Belästigung, sexuelle Übergriffe und Femizid explizit unter Strafe und weitet den Vergewaltigungsbegriff aus. Damit wurde eine langjährige Forderung der Zivilgesellschaft erfüllt. Die Umsetzung bleibt jedoch schwierig: Der Zugang zu Schutzangeboten ist begrenzt, und Kürzungen internationaler Hilfsgelder haben zehntausenden Frauen den Zugang zu Schutzprogrammen entzogen. Malische Frauenorganisationen setzen ihr Engagement trotz dieser Widrigkeiten fort. 

 

Kennzahlen 

Hauptstadt: Bamako / ca. 2,93 Mio. Einwohner·innen 

Bevölkerung: 24,0 Mio. (2024) 

Bevölkerungswachstum: 3,02 % pro Jahr 

Städtische Bevölkerung: 44,4 % 

Lebenserwartung: 63,7 Jahre 

Säuglingsterblichkeit: 57,6 pro 1’000 Lebendgeburten 

Müttersterblichkeit: 367 pro 100’000 Geburten 

Fertilitätsrate: 5,61 Geburten pro Frau 

Weibliche Genitalbeschneidung (FGM): 89 % (Frauen 15–49 J., UNICEF 2025) 

Kinderehe vor dem 18. Lebensjahr: 53 % (UNICEF 2025) 

DEZA

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