Senegal, das westlichste Land Afrikas, hat rund 18 Millionen Einwohner*innen, davon etwa 3 Millionen in der aufstrebenden Hauptstadt Dakar. Die pulsierende Hafenstadt zieht Menschen aus dem Inland und den Nachbarländern an, die Arbeit suchen oder auf dem Weg nach Europa oder Amerika sind.

Politischer Wandel
Senegal zeichnet sich durch kulturelle und ethnische Vielfalt sowie eine im regionalen Vergleich relativ stabile institutionelle Entwicklung aus. Mit der Wahl von Bassirou Diomaye Faye zum Präsidenten im März 2024 und dem klaren Parlamentssieg seiner links-populistischen Partei PASTEF im November desselben Jahres befindet sich das Land in einer Phase des politischen Umbruchs. Faye trat als Antikorruptionskandidat an mit dem Versprechen, die staatlichen Institutionen grundlegend zu reformieren – doch die Erwartungen treffen auf einen Alltag, der weiterhin von sozialer Ungleichheit, Prekarität und eingeschränktem Zugang zu öffentlichen Leistungen geprägt ist.
Senegal hat eine sehr junge Bevölkerung. Fehlende Ausbildungs- und Einkommensperspektiven setzen insbesondere Jugendliche unter Druck – mit direkten Folgen für Migration, frühe Familiengründung, wirtschaftliche Abhängigkeit und eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsleistungen. Gerade für Frauen bleibt ökonomische Stärkung zentral, weil wirtschaftliche Unsicherheit ihre Handlungsspielräume in Familie und Gesellschaft erheblich begrenzt.
Konservativer Gegenwind
Gesellschaftliche Tabus rund um Sexualität, Menstruation, Gewalt und reproduktive Rechte erschweren informierte Entscheidungen. Gleichzeitig nimmt der Gegenwind gegenüber geschlechtergerechten Veränderungen zu. Im Juli 2025 wurde eine in Dakar geplante Veranstaltung zum Austausch über sexuelle Vielfalt und Rechte nach einer Warnung der senegalesischen Behörden abgesagt – ein Zeichen für den breiteren konservativen Backlash, in dem Anliegen rund um Gendergerechtigkeit rasch als Angriff auf gesellschaftliche oder religiöse Werte dargestellt werden.
Gewalt gegen Frauen
Geschlechtsspezifische Gewalt bleibt ein gravierendes Problem – darunter häusliche und sexualisierte Gewalt sowie weibliche Genitalbeschneidung (20,1 %, besonders im Süden und Südosten). Zwischen Januar und Mai 2025 wurden sieben Frauen in famäliären oder partnerschaftlichen Kontexten getötet. Feministische Organisationen fordern strengere Gesetze gegen Femizid und eine raschere Ratifikation der neuen Afrikanischen Union-Konvention zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (2025). Viele Fälle werden nicht gemeldet, sei es aus Angst vor Stigmatisierung, wirtschaftlicher Abhängigkeit oder mangelndem Vertrauen in Schutz- und Justizsysteme.
Kennzahlen
Hauptstadt: Dakar / ca. 3,34 Mio. Einwohner·innen
Bevölkerung: 18,2 Mio. (2024)
Bevölkerungswachstum: 2,42 % pro Jahr
Städtische Bevölkerung: 49,1 %
Lebenserwartung: 69,1 Jahre
Säuglingsterblichkeit: 30,2 pro 1’000 Lebendgeburten
Müttersterblichkeit: 237 pro 100’000 Geburten
Fertilitätsrate: 4,23 Geburten pro Frau
Alphabetisierungsrate: 56,3 %
Weibliche Genitalbeschneidung (FGM): 20,1 % (UNICEF 2025)
Kinderehe vor dem 18. Lebensjahr: 30 % (UNICEF 2023)
Unsere Programme werden mit Kernbeiträgen von der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) unterstützt.