Burkina Faso ist ein Binnenland in der Sahelzone Westafrikas mit rund 23,5 Millionen Einwohner*innen und einer sehr jungen, überwiegend ländlichen Bevölkerung. Das Land befindet sich in einer tiefgreifenden humanitären und sicherheitspolitischen Krise, die nahezu alle Lebensbereiche prägt. Unsicherheit, Vertreibung und der eingeschränkte Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen sind zentrale Herausforderungen. Besonders betroffen sind Frauen, Jugendliche und Kinder, deren Alltag von Gewalt, prеkären Lebensbedingungen und unterbrochenen Bildungswegen geprägt ist.

Politisch blieb das Land 2025 vom Übergangsregime unter Hauptmann Ibrahim Traoré geprägt. Die Repression der Zivilgesellschaft verschärfte sich erheblich: Im April 2026 wurden 118 zivilgesellschaftliche Organisationen aufgelöst, seit 2022 wurden über 70 Hilfsarbeitende festgenommen, und im August 2025 wurde die ranghöchste UN-Vertreterin des Landes ausgewiesen. Ende 2025 waren lediglich 33,1 % des humanitären Finanzierungsbedarfs gedeckt. Für 2026 wird die Zahl der hilfsbedürftigen Personen auf 4,5 Millionen geschätzt.
Gleichzeitig veränderte sich der institutionelle Rahmen für Fragen zu Familie, Geschlecht und Rechten. Mit dem neuen Familiengesetz vom September 2025 gilt für Frauen und Männer ein einheitliches Heiratsalter von 18 Jahren. Homosexualität wurde erstmals unter Strafe gestellt. Diese Entwicklungen markieren eine Verschiebung in der Familien- und Gesellschaftspolitik, die die Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit zunehmend unter Druck setzt.
Gesundheit, Bildung und Menstruationsgesundheit
Die humanitäre Krise wirkt sich direkt auf Gesundheit und Bildung aus: Rund 20 % der Bildungseinrichtungen waren 2025 wegen Unsicherheit geschlossen. Menstruationsgesundheit bleibt ein stark vernachlässigtes Thema – fehlende sanitäre Infrastruktur, unzureichender Zugang zu Wasser sowie die hohen Kosten von Menstruationsprodukten führen dazu, dass viele Mädchen während ihrer Menstruation dem Unterricht fernbleiben.
Frauen und Mädchen
Geschlechtsspezifische Gewalt bleibt ein gravierendes Problem, verschärft durch Vertreibung, Armut und Unsicherheit. Trotz dieser schwierigen Ausgangslage zeigen bestehende lokale Initiativen, dass Veränderung möglich ist – insbesondere dort, wo Jugendliche, Schulen, Gesundheitsdienste und lokale Autoritäten gemeinsam an Prävention und Schutz arbeiten. Dank starker feministischer Bewegungen wie Femin-in, Voix des femmes und der Coalition Burkinaés pour les Droits des Femmes gehört das Land auf dem Papier zu den fortschrittlichsten in Westafrika.
Kennzahlen
Hauptstadt: Ouagadougou / ca. 2,92 Mio. Einwohner·innen
Bevölkerung: 23,5 Mio. (2024)
Bevölkerungswachstum: 2,56 % pro Jahr
Städtische Bevölkerung: 32,5 %
Lebenserwartung: 61,6 Jahre
Säuglingsterblichkeit: 45,1 pro 1’000 Lebendgeburten
Müttersterblichkeit: 242 pro 100’000 Geburten
Fertilitätsrate: 4,02 Geburten pro Frau
Alphabetisierungsrate: 46 %
Kinderehe vor dem 18. Lebensjahr: 51,3 % (UN Women / UNICEF 2025)
Unsere Programme werden mit Kernbeiträgen von der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) unterstützt.