Nomme Kodjoukalo-Pitikalo ist Hebamme in Togo. Sie berichtet, was sich verändert hat, seit das Personal nach dem Ansatz der respektvollen Geburtshilfe arbeitet.
IAMANEH Schweiz: Frau Pitikalo, ist es richtig, dass Frauen in Togo teils zur Geburt nicht ins Spital gehen, weil sie Respektlosigkeit oder Misshandlungen durch das medizinische Personal befürchten oder einfach Angst vor der Situation in der Entbindungsstation haben?
Nomme Kodjoukalo-Pitikalo: Ja, das ist absolut richtig.
Halten Sie diese Angst für begründet?
Diese Angst ist begründet, weil es teils tatsächlich an Betreuung fehlt – zumindest war die Situation bis vor Kurzem so und ist es an manchen Orten weiterhin. Wenn die Frauen eintreffen, kümmert man sich nicht gut um sie. Es gibt einen Mangel an Vertrauen zwischen dem Personal und den Patientinnen. Die Frauen fürchten, nicht so gebären zu können, wie es für sie am besten wäre. Deshalb versuchen sie es zu Hause.
Wie kommt es zu dieser Situation?
Dies kann mit Personalmangel und Überlastung der Hebammen erklärt werden. Auch die Ausstattung ist meist unzureichend. Eine Umfrage hat zudem gezeigt, dass viele Frauen nicht zur Entbindung ins Krankenhaus kommen, weil sie die Geburtsposition nicht wählen dürfen. Zu Hause können sie selbst entscheiden, wie sie sich verhalten, ob sie sich hinhocken oder sich irgendwo festhalten wollen. Im Krankenhaus war das bis vor Kurzem nicht möglich. Hier wurde den Frauen immer gesagt, dass sie sich in Rückenlage auf den Gebärtisch legen sollten.
Was sind die Folgen davon?
Wenn es viele unbegleitete Hausgeburten gibt, erreichen uns Frauen bei Komplikationen erst in einem kritischen Zustand. Dann können wir nicht mehr handeln, sondern müssen sie an Gesundheitseinrichtungen mit einer höheren technischen Ausstattung überweisen. Manchmal ist es dafür zu spät.
AFAD will mit dem Ansatz der "respektvollen Geburtshilfe" erreichen, dass Frauen frühzeitig die Gesundheitsstationen aufsuchen. Als Hebamme sind Sie Teil dieser Veränderung. Was bedeutet das für Sie?
Die Einführung der humanisierten Geburt hat in unseren Gesundheitseinrichtungen viele Dinge verändert, angefangen damit, dass die Rate der Hausgeburten stark gesunken ist. Die Zahl der Entbindungen, die im Krankenhaus stattfinden, ist dank der humanisierten Pflege und der humanisierten Geburt gestiegen.
Mehr zum Projekt von AFAD und IAMANEH in Togo: Respektvolle Geburtshilfe
Was hat sich konkret verändert?
Wenn die Frauen ankommen, besprechen wir mit Ihnen, was auf sie zukommt. Wir zeigen Bilder der verschiedenen Geburtspositionen und wir haben inzwischen Materialien wie das Seil und Bälle, den Maya-Stuhl und einen modernisierten Multifunktions-Geburtstisch. Wir zeigen den Frauen all dieses Material. Wir besprechen, was sie sich vorstellt und am Tag der Entbindung geht alles viel leichter, weil wir uns so gut vorbereitet haben.
Haben Sie auch Geburten miterlebt, bei denen die Bedürfnisse der Mutter nicht respektiert wurden? Wenn ja, wie kam es dazu und was denken Sie darüber?
Ja, früher habe ich selbst auch Geburten durchführen müssen, bei denen die Wünsche der Mutter nicht respektiert wurden. Jede Frau legte sich auf den Gebärtisch. Wir alle haben gelernt, dass die Rückenlage oder die linken Seitenlage die beste Position sei. Aber mir fiel auf, dass die Geburt in diesen Positionen im Vergleich zu den anderen Positionen, die derzeit im Rahmen der humanisierten Geburt praktiziert werden, oft sehr lange dauerte. Mit der respektvollen Geburtshilfe sind die Geburten kürzer und leichter. Das bemerken nicht nur wir, sondern auch die Frauen selbst.
Haben Sie entsprechende Rückmeldungen erhalten?
Ja, viele. Die Frauen sprechen auch mit ihren Freundinnen und sagen ihnen: "Ich hatte früher eine Geburt, die zu lange gedauert hat, aber diesmal war die Geburt sehr leicht.» Auch deshalb steigt die Zahl der Geburten bei uns.
Was motiviert Sie, Ihren Beruf auszuüben und an den Veränderungen in der Geburtshilfe mitzuwirken?
Was mich motiviert, ist gute Arbeit - wenn ich sehe, dass die Mutter mit dem Baby das Krankenhaus mit einem Lächeln verlässt, wenn ich sehe, dass die Väter glücklich über die Geburt ihres Kindes sind. Wenn ich diese Menschen unterwegs treffe, sind sie zufrieden mit mir und ich bin stolz darauf, dass ich einen guten Job gemacht habe. Diese Familien kommen auch mit anderen Problemen zu mir und fragen um Rat. Die gesamte Kommunikation hat sich deutlich verbessert.
Das Interview wurde schriftlich und auf französisch geführt. Die Fragen stellte Miriam Glass